Leonora Hardeweg berichtete im Kindergarten von ihren Erfahrungen in Indien 

Für genau 11 Monate habe ich in Indien gelebt und gearbeitet. Es war eine unglaublich aufregende Zeit und ich bin froh, dass ich mich getraut habe ins Unbekannte zu reisen und eine neue Kultur zu erleben.

Gelebt habe ich auch dort wo ich gearbeitet habe: in einem kleinen Dorf namens Vijayadka im Bundesstaat Karnataka in Südindien. Dort war ich in einem Waisenhaus untergebracht, was somit auch meine Arbeitsstelle war. Der „Shanthi Ashram“ ist das Zuhause von rund 40 Kindern zwischen 5 und 15 Jahren, und ich war dort mit einer anderen Freiwilligen zur Unterstützung der Nonnen, die das Waisenhaus leiten. Wir haben die Kinder in ihrem Alltag begleitet und viel mit ihnen gespielt, gekuschelt und Quatsch gemacht.

Insgesamt waren wir mit über 60 deutschen Freiwilligen in Südindien, wovon aber die meisten anders als ich in einer Gastfamilie untergebracht waren.

Unsere Organisation heißt „AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.“ und gefördert wurde mein Aufenthalt durch das „weltwärts“ Programm. So ein Freiwilligendienst im Ausland kostet natürlich eine Menge Geld, und weil sich das die wenigsten Jugendlichen leisten können, fördert unter anderem das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) internationale Freiwilligendienste und übernimmt 75% der Kosten. Die übrigen 25% soll man über einen Förderkreis zusammen bekommen,  und man muss so, bevor es überhaupt los geht, schon aktiv werden und mit den unterschiedlichsten Menschen über seinen Freiwilligendienst sprechen und so Sponsoren anwerben.

Als ich letztens Jahr gerade dabei war Spenden zu sammeln sprach mich Luise Schmelting, Leiterin meines ehemaligen Kindergartens St. Maria, an und fragte mich, ob ich nicht vielleicht Lust hätte mit den zukünftigen Schulkindern des Kindergartens über meinen bevorstehenden Freiwilligendienst zu sprechen und dann während ich in Indien bin hin und wieder Briefe zu schreiben, um so auf eine ganz besondere Art und Weise den Kindern ein neues und wahrscheinlich bis dahin sehr fremdes Land näher zu bringen.

Natürlich hatte ich Lust und schon stand ich in der Turnhalle der Kita, die über die Jahre in meinen Augen eindeutig geschrumpft war und quatschte mit den Kindern über ein Land, das ich bisher auch nur von Bildern kannte und versuchte irgendwie zu erklären, was ich dort machen würde auch wenn ich bis dato nur eine kurze Projektbeschreibung hatte und nicht einmal den Namen des Dorfes aussprechen konnte. Am Schluss machten wir noch ein Gruppenfoto und mir wurde von allen Kindern viel Glück gewünscht.

Als ich dann endlich in Indien war und meine ersten Erfahrungen gemacht hatte fing ich an, dem selbsternannten „Delfinclub“ Briefe zu schreiben, die ich aber einfachheitshalber per E-Mail an Luise verschickte und versuchte durch die verschiedensten Fotos, die ich beifügte, das Ganze ein bisschen lebhafter für die Kinder zu gestalten.

Ich bekam sogar Post von den Kindern zurück und habe mich jedes Mal riesig gefreut, wenn ich erfahren konnte, was gerade bei den Kindern in Velen passiert. Am schönsten fand ich es, als ich einen Brief bekam, in dem ein paar Kinder über ihre Abenteuer im Schnee erzählten, da es in dem Teil von Indien, wo ich gelebt habe, nie schneit und es selbst im Winter meist über 25 Grad sind.

Am Ende meines Jahres habe ich meine Urlaubstage genutzt und bin mit ein paar Freunden quer durch Indien gereist und auch darüber habe ich geschrieben. So konnte ich erklären, wie unterschiedlich Indien alleine klimatisch gesehen ist. Ich habe zum Beispiel in einer Wüste übernachtet, war aber ein paar Wochen später dick eingepackt im Himalaya Gebirge unterwegs. Da wo ich gelebt habe war es sehr tropisch mit vielen Palmen und die Luft war immer sehr feucht, da wir in der Nähe des Meeres waren.

In den Briefen habe ich versucht den Kindern ein Bild von Indien zu vermitteln und zu zeigen wie anders es dort manchmal ist, oder wie ähnlich es hin und wieder sein kann. Auch als ich wieder in Deutschland war und noch einmal in den Kindergarten eingeladen wurde und mit dem „Delfinclub“ ein letztes Mal über Indien und meinen Freiwilligendienst zu sprechen, habe ich versucht ihnen dieses Land und Kultur näher zu bringen. Ich habe ein paar Fotos über den Beamer gezeigt, dazu ein bisschen was erzählt. Die Kinder haben viele Fragen gestellt und am Ende habe alle Kinder die wollten einen „Sticker“ zwischen die Augenbraunen bekommen.

Dieser „Sticker“ kommt eigentlich aus dem Hinduismus und wird dort „Bindi“ genannt. Er symbolisiert das „dritte Auge“, mit dem man die Welt in einem erhöhten Bewusstseinszustand wahrnehmen kann. Mit der Zeit ist er aber auch immer mehr zum modischen Accessoire geworden, sodass zum Beispiel auch die christlichen Kinder in meinem Projekt sehr gerne einen glitzernden „Sticker“ getragen haben.

Für das Treffen mit dem Delfinclub habe ich mir extra einen mitgebrachten Sari angezogen. Das ist gar nicht so einfach, und in Indien hatte ich immer Hilfe von Frauen, die schon Jahre lang Sari tragen. Hier hatte ich Hilfe von meiner Mutter und einem Youtube-Tutorial, und am Ende hat es irgendwie geklappt. Meine große Schwester Svetlana, die mich zusammen mit unseren Eltern für zwei Wochen in Indien besucht haben, ist auch mitgekommen und trug eine Chudida. Ein Kleidungsstück, das ich auch sehr gerne im Alltag getragen habe, anders als einen Sari, den ich eher zu Feiertagen wie Hochzeiten oder Weihnachten trug. Eine Chudida besteht aus einer sehr weiten Stoffhose, die man am Bund zusammenziehen kann und aus einer Art Kleid, was aber an beiden Seit bis kurz unter der Hüfte eingeschnitten ist. Ein Sari besteht aus einer meterlangen Stoffbahn, die man sich in einer ganz bestimmten Weise um den Körper wickelt. Für mich war es schön noch einmal indische Kleidung zu tragen und so hatte ich die Chance den Kindern noch mal in echt diese Kleidung vorzuführen.                                                                 

Ich finde es toll, dass ich meine Erfahrung teilen konnte und vielleicht habe ich ja ein Kind inspiriert auch irgendwann Mal so etwas Ähnliches zu machen. Jedenfalls habe ich ihnen gezeigt, dass so ein internationaler Freiwilligendienst ein Möglichkeit ist, die eigentlich jeder ergreifen kann, der daran interessiert ist auch mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken und eine fremde Kultur richtig kennen zu lernen. Denn auch wenn man als Freiwillige*r nicht die Welt retten wird, so merkt man doch durch das Interkulturelle Lernen einen neuen Blickwinkel auf die Welt kennen und versteht, dass wir Menschen uns doch sehr ähnlich sind und Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass uns als Menschheit nicht weiterbringen werden. Die Organisation „AFS“, durch die ich nach Indien reisen konnte, wurde nach dem zweiten Weltkrieg gegründet und schickt seitdem Jugendliche durch Schüleraustauschprogramme und internationale Freiwilligendienste in die verschiedensten Länder, denn Freunde möchte man nicht bekämpfen, auch nicht wenn sie eine andere Sprache sprechen oder anders aussehen.

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